Wochenrückblick: Wikipedia, Sabotage und Single Börsen
Im Wochenrückblick Ergänzungen zu Themen, die mich in den letzten Wochen ebenfalls beschäftigt haben: Wikipedia (betrachte ich mehr aus SMM-Sicht), Online Sabotage (die Abwehr gehört zu meinen Aufgaben) und Single Börsen (Thema “Kundengewinnung” von letzter Woche).
WIKIPEDIA
Dass Wikipedia (in Deutschland wohl die bekannteste Web 2.0 Plattform) bei Google einen dicken Bonus hat, was das Ranking angelangt, dafür braucht man nicht unbedingt Statistiken bemühen. Johannes hat sich trotzdem die Mühe gemacht und die Zahlen belegen die allgemeine Vermutung: 84,7 Prozent aller Wikipedia-Seiten sind bei der Suche nach ihrem Titel unter den ersten zehn Suchtreffern. Warum also jammern und nicht stattdessen die Plattform Wikipedia nutzen? Es spricht nichts dagegen, wenn man sich an die Regeln hält. Bei Firmeneinträgen (Firma als Stichwort) ist hingegen Sensibilität angesagt.
ONLINE SABOTAGE
Via Jojo bin ich auf einen Artikel in Forbes USA aufmerksam geworden, der sich mit Online Sabotage bzw. der “Schädigung” von Websites durch Dritte beschäftigt. Die beschriebenen Techniken sind nicht neu: Google Bowling, Tattling, Google Insulation, Copyright Takedown Notices, Copied Content, Denial of Service, Click Fraud. Aber keine Angst, gegen alle diese Angriffe kann man sich wehren.
Google Bowling (das setzen einer Vielzahl von SPAM-Links) funktioniert. Allerdings bedarf es eines echt großen Portfolios an abgestraften Domains (und wer hat das schon). Bei gefestigten Projekten dürfte der Aufwand den zu erwrtenden “Ertrag” deutlich übersteigen, vor allem wenn man die Gefahr der Enttarnung des Bowlers (und diese steigt nun mal exponential mit dem Aufwand) mit in die Berechung einbezieht. Und dann wird es teuer für den Auftraggebeer (der für gewöhnlich nicht in China seinen Sitz hat).
Tattling, also das “Verpfeiffen” an Google, Yahoo & Co. funktioniert zur Zeit wohl nur für gekaufte Links. Und wer offensichtlich Links kauft … den braucht man nicht bei Google hinhängen, das findet über kurz & lang der Algo selbst. Die “normalen” Spam-Reports dienen nur der Verfeinerung des Algos. Direkte Auswirkungen auf die gemeldete Seite hat es bei Google offenbar nicht.
Google Insulation, also das Hinausdrücken von Konkurrenten aus den TOP 10, indem andere Konkurrenzprojekte aufgezigen werden ist legitim und die einzige der genannten Techniken, die legal ist Wie man aber leicht nachrechnen kann muss man den 10 fachen Aufwand der so “angegriffenen” Seite aufwenden. Wirklich sinnvoll?
Copyright Takedown Notices - funktionieren vielleicht in den USA. Aber die Schadenersatzforderungen möchte ich nicht bezahlen müssen!
Copied Content - funktioniert. Allerdings muss die Kopie einige technische Tricks anwenden bzw. für die Suchmaschinen eine höhere Wertung erfahren. Allerdings schlägt hier das deutsche Rechtssystem zu. Nervig, aber auf dem juristischen Wege beizukommen. Schadenersatz ist dann zivilrechtlich einzutreiben, ebenfalls nicht lustig.
Denial of Service oder DOS Attacken … oh je. Da sind wir bereits im strafrechtlichen Bereich. Da kann es für den Angreifer echt heftig werden. Es gibt spezialisierte Firmen, die DOS-Angreifer jagen und die Erfolgsquoten sollen echt hoch sein.
Click Fraud - wird auch immer schwieriger. Man hat hier auf jedenfall ein paar starke Verbündete: Google, Yahoo und MSN. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sich die Staatsanwaltschaft dafür interessiert. Ich rede ich natürlich nicht von “einmal auf Konkurrenzanzeige klicken”.
Was mir hier fehlt sind feinere Techniken, beispielsweise das Mod_Rewrite Exploit, das Fabian auf seinem Blog beschrieben hat. Auch hier gilt: Nicht ausprobieren (zumal bei Konkurrenten).
Eine andere Form des Google Bowling könnte leichter funktionieren, ist aus meiner Sicht jedoch zumindest unethisch (wenn nicht gar juristisch folgenreich): Eine größere Anzahl von PR 8 Links in den USA mieten und auf den Konkurrenten setzen dürfte ein recht sicheres Mittel sein, um dieses Projekt in absehbarer Zeit ins Nirvana zu schicken. Als Linktext ist natürlich das Hauptkeyword zu wählen.
Bekanntlich lassen sich Projekte von Aussen (wie bei Google Bowling) nur unter größten Anstrengungen schädigen. Viell leichter geht dies von innen. Vor allem Blogs sind hier anfällig, die NICHT das NoFollow verwenden. Ich suche nicht nach einer “Entschuldigung”, warum dies bei mir so ist. Ich verwende das Linkkondom eben, andere nicht. Soll jeder halten wie er möchte. Doch hier das Real Word Example: Über mehrere Monate kommentiere man fleissig unter verschiedenen Identitäten auf dem Ziel-Blog. Als URLs werden verschiedene unverdächte Projekte (UVP) angegeben. Abhängig von der Stärke des Blogs (so ab 100 Kommentare aufwärts) leitet man alles was auf die UVPs verweist auf das “dreckigste” SPAM-Projekt das sich finden lässt. Google mag bekantlich Seiten nicht besonders, die schlechte Nachbarschaft haben. Bis dann der Blog Besitzer merkt, dass der Suchmaschinen-Traffic wegbricht, ist es wahrscheinlich schon zu spät. Das perfide an dieser Angriffsmethode: Selbst bei manueller Kontrolle jedes neuen Kommentars fällt diese nicht auf. Anfällig für diese Angriffsmethode können u.a. auch Verzeichnisse und Foren sein.
Um es juristisch eindeutig zu formulieren: Ich untersütze die Anwendung solcher Techniken nicht und warne vor den Folgen, die eine Anwendung nach sich ziehen könnte. Nicht nachmachen!
SINGLE BÖRSEN
Eine Ergänzung zu meinem Beitrag über “kreativen Community Aufbau“: Interessante Einblicke in die Welt der Single Börsen hat mir das Email eines Consultants (Identität bekannt und verifiziert) ermöglicht. Zumindest eine Single Börse scheint sich eine besondere Methode ausgedacht zu haben, den Mitgliederpool der Wettbewerber “anzuzapfen”: Mitarbeiter / freie Mitarbeiter melden sich bei den Wettbewerber an, kontaktieren dort möglichst viele Mitglieder, um diese auf die eigene Plattform zu ziehen … “Du hier bin ich sehr selten, aber bei XXX täglich online. Magst Dich nicht anmelden …” (Satz natürlich frei erfunden) … Also ich bezeichne solche Geschäftspraktiken als unseriös. Nicht zur Nachahmung empfohlen.
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Kommentare
Die Methode, die Du unter “Singlebörsen” beschreibst, habe ich letztens selbst in unserem Angst Forum feststellen müssen.
Leider hatten wir schon einige User verloren, als uns einer unserer Moderatoren darauf aufmerksam gemacht hat…
Perfide Techniken dass! Interessant aber teilweise auch erschreckend. Mit zunehmendem Wettbewerb bin ich gespannt, was man liest, wer hier wen wie versucht zu manipulieren/ zu schaden. Aber was sind denn nun Copyright Takedown Notices?
Hallo Ralf, ich bin kein Jurist. Ich weiss nicht ob es ähnliches im europäischen (deutschen) Rechtsraum gibt. Aber mit Abmahnungen versuchen anscheinend manche zumindest den Geschäftsbtrieb zu stören.
[…] Ähnliche Erfahrungen hat auch Rentaseo gemacht. Es scheint fast so, als ob das mittlerweile gang und gebe ist bei den Singlebörsen Startups. Ich halte das für äusserst unseriös. […]
Danke Matthias für die Ausführungen zur Online-Sabotage! Unheimlich interessant!!!