Dom getaggt
Social Bookmarking lebt vom “Taggen”, der Verschlagwortung von Links. Konkret bedeutet dies, dass einem Link eine Anzahl von Wörtern zugeordnet wird. Das ist für den User prima, denn das Auffinden von passenden Links wird enorm vereinfacht (zumindest in der Theorie). Ausserdem ist der Mensch nicht auf sozial inkompetente Suchmaschinentechnologie angewiesen, denn Suchmaschinen haben Schwierigkeiten den Kontext korrekt zu bestimmen. Beim Taggen übernimmt dies der Mensch.
Ist das Taggen daher der Königsweg, die Zukunft? Nein, bestimmt nicht. Tags sind erstmal keine besonders neue Erfindung, sondern stammt aus der Urzeit der EDV, als komplexe Suchmaschinen noch Science Fiction waren. Als man sich die Rechenpower leisten konnte, automatisierte man den Vorgang durch Software. Hintergedanke war nicht die effektivere Nutzung der Arbeitskraft (Tags zu setzen kostet Zeit), sondern der Mensch an sich.
Entweder man gibt eine Menge an Tags vor, die gesetzt werden dürfen -dann ist das System sehr unflexibel- oder man stellt die Tags völlig frei -dann schlägt die Subjektivität zu. Und daran kranken die Social Bookmark Verzeichnisse auch heute. Zu abstrakt? Ein Beispiel gefällig? Dieser Fall ist nicht konstruiert, sondern ist genau so passiert. Als Regensburg-Fan habe schreibe ich ja gerne über die erste bayerische Hauptstadt und einst politische wichtigste Stadt im Reich (”Immerwährender Reichstag”). Einen schönen Beitrag über den Regensburger Dom habe ich auch entsprechend getaggt; mit regensburg und dom. Nun hab ich mich allerdings schnell gewundert, wieviel Traffic ich über den Tag dom erhalte und habe recherchiert. Der Papstbesuch konnte es ja nicht sein. Ich nehme einmal an, dass meine Leserschaft in Sachen XML-Techniken nicht unbeleckt ist. Hand auf´s Herz, wer hätte bei dom an xml gedacht? Seht ihr, ein kleines Beispiel wie man trotz Nutzung von Fachausdrücke (und DOM ist in beiden Fällen einer) FALSCHE Tags setzen kann. gothik -bei den dominierenden Verzeichnissen hieße es dann konsequent auf englisch gothic (!) habe ich mich erst gar nicht verwenden trauen. Wenn das System schon bei der Verwendung von korrekten Fachbegriffen solche Schwierigkeiten aufwirft, was passiert dann, wenn die unzulänglichkeiten des Menschen zuschlagen? Wenn ein unmotivierter Mitarbeiter keine Lust hat, nach sinnvollen Tags zu suchen … wenn ein Laie die richtigen Fachbegriffe dafür nicht kennt … persönliche Gefühle, Abneigungen, Erfahrungen mit ins Spiel kommen … ? Mein Fazit: Social Bookmarking kann die Suchmaschinentechnlogie a la Googe nicht ersetzen, bestenfalls ergänzen. Social Bookmarking kann aber den traditionellen, hierarchischen Verzeichnissen Konkurrenz machen. Das Thema ist aber einen eigenen Beitrag wert. NACHTRAG: Mit einen Mythos muss ich an dieser Stelle noch aufräumen. Social Bookmarking Verzeichnisse sind nicht spamfrei. Ich kenne SEOs, die 100 Account bei den wichtigen Vertretern dieser Verzeichnisgattung unterhalten und das unerkannt. Wo ist Manipulation effektiver: Del.icio.us hat geschätzte 300.000 Mitglieder; ein SEO arbeitet dort mit 100 kostenlosen Profilen … Google hat ein paar Milliarden Seiten im Index; ein SEO hat 100 eigene Websites … Darüber sollten wir nachdenken.
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