Nutzerfreundlichkeit recht einfach …
In den vergangenen Wochen hatte ich gleich zweimal die Gelegenheit, bei Springer Transport Media nicht nur zu Suchmaschinenoptimierung, sondern auch zur Nutzerfreundlichkeit von Websites zu sprechen. Nun bin ich sicherlich kein Designer, aber vielleicht sollte man das auch gar nicht sein, um sich ohne Vorbehalte dem Thema nähern zu können.
Überlegungen Teil I - ganz unabhängig vom Design
Der erste Fehler, den Designer (ja, das kreide ich überwiegend diesen kreativen Völkchen an) begehen: Nicht alle Menschen surfen Breitband, haben oftmals gar nicht die technische Möglichkeit dazu. Bei meinen Projekten kommt ein Besucheranteil von bis zu 50 Prozent über eine normale Einwahlverbindung. Selbstladende Flashfilme und multmediaüberladene Seiten werden hier schnell zur Tortur. Nicht vergessen werden darf auch die steigende mobile Gemeinde und dabei meine ich nicht die kleinen Endgeräte, sondern die Laptop mit UMTS-Karte (in den zahlreichen UMTS-Löchern gibt es nur das träge GPRS!). Fazit: Schlanke Seiten, Multimedia nur optional.
Der zweite Fehler … Der überwiegende Teil der Besucher tippt nicht die Adresse ein und nimmt sich die Website mit der Startseite beginnend vor. Viele vergessen, dass sich wiederkehrende Benutzer Bookmarks (Favoriten beim IE) setzen (möchten), dies aber bei Flash-Seiten nicht möglich und bei vielen Projekten mit Frame landet man entweder auf der Startseite oder man speichert die Unterseite direkt ab (um dann meist keine Navigation zu haben). Nicht zu vergessen sind die freundlichen Menschen, die freiwillig Links auf interessante Fundstellen im Web setzen. Da dies in den seltensten Fällen die Startseite sein dürfte, geht auch dies bei Flash und Frames nicht. Reine Flash-Projekte verzichten sowieso auf Besucher über den Umweg Suchmaschinen. Diese Gruppe kann theoretisch auf jede Unterseite auf ein Projekt stoßen. 10 Sekunden bleiben im Schnitt Zeit, um den Besucher davon zu überzeugen, dass er an der richtigen Stelle im Internet gelandet ist. Deshalb gilt der nachfolgende Teil meiner Überlegungen für diese Benutzergruppe ganz besonders.
Überlegungen Teil II - zurechtfinden im im Info-Dschungel
Woran erkennt man eine Website mit hoher Benutzerfreundlichkeit? Wenn der Nutzer auf jeder Unterseite diese Fragen ohne zu zögern beantworten kann:
- Wo bin ich?
- Wo finde ich?
- Wo soll ich anfangen?
Diese Fragen stellen sich nicht nur die Besucher, die über Suchmaschinen oder Links auf die Unterseite gekommen sind. Kein Mensch merkt sich den Navigationsweg! Wenn uns die Website besonders gefällt oder interessant erscheint, wird gerne rumgeklickt und schon landen wir im Info-Dschungel. Das zurückfinden kostet Zeit und das haben wir nicht.
Für die Startseite habe ich noch eine andere Frage parat, die innerhalb der beüchtigten 10 Sekunden beantwortet werden soll:
- Was ist das wichtigste, interessanteste an diesem Projekt?
Die Antwort sollte ein doppelte Klick sein: Zuerst im Kopf und dann manuell auf die Startseite, auf der wir den Besucher gerne sehen würden. Tödlich ist es, wenn sich der Besucher fragen muss … „Wieso haben die das so gemacht …?“.
Für die Designer sollte es klare Anweisungen für die Gestaltung einer Website geben, die folgende drei Punkte umfasst:
- Klare visuelle Hierarchie!
- Klar definierte Bereiche!
- Anklickbares kennzeichnen! (OH JA!)
Vor allem die Navigation ist wichtig: Maximal 5 Klicks (besser: 3) sollte ein menschlicher Benutzer benötigen, um von einer Unterseite zur anderen zu gelangen. Das freut übrigens auch die Suchmaschinen.
Es tauchen immer wieder diese 10 Sekunden auf. Wir Menschen sind in Eile und haben uns daran gewöhnt und angepasst. Die (meisten) Menschen haben die Fähigkeit entwickelt, Texte zu überfliegen und die Informationen daraus zu filtern. Gerade im Web mag niemand wirklich lange Texte. Bereits das scrollen ist eine kleine Hürde. Daher sollten Online-Texte immer kurz sein, das Nützliche herausstellen. Geht es nicht anders, können lange Texte auch auf mehrere Unterseiten verteilt werden. Wo Worte nicht ausreichen, hilft unterstützend eine Grafik … diese sollte nicht primär „schön“, sondern verständlich sein.
Eine echte Fundgrube zu Nutzfreundlichkeit: http://www.usability.gov/pdfs/guidelines.html
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Thema Breitband: Wir realisieren gerade als Subunternehmer für eine Agentur ein Stadtportal. Da die Agentur natürlich zuerst Designvorschläge präsentiert hat, hat man sich für die “hübscheste Homepage” entschieden. Die trägt ein fettes Keyimage, wechselt je nach Rubrik die Farben, verwendet viele Verläufe und weitere Grafiken, etc.
Trotz standardkonformer Umsetzung und maximalen Kompromissen bei der Bildkomprimierung, bringt jede Seite (ohne Inhalte) 100 Kilobyte auf die Waage.
Was kommt nun als Antwort: “Angesichts der Verbreitung von DSL ist dies unproblematisch”.
Aber wie viele Privatpersonen (Zielgruppe!) surft eben DOCH noch mit ISDN und wie viele Firmen (!) auf dem Land kriegen gar kein DSL?! Und auch mit DSL freue ich mich, wenn ich superschnell zu der gewünschten Information auf der Website meiner Stadt käme.